Manuela Schoneveld MSc

Obacht bezeichnet die aufmerksame Wahrnehmung der Umwelt und kann als Aufforderung verstanden werden, achtsamer zu sein. Wir denken oft, wir sind achtsam. Aber sind wir achtsam und gewahr, wenn wir denken?

("Oft sehen wir nicht, dass wir nicht sehen, was wir nicht sehen" Fritz Perls)

Konflikte & Widersprüche

haben einen oft wesentlich grösseren Wirkungsradius, als die Betroffenen annehmen. Und Unterschwelliges/ Unausgesprochenes hat entsprechend oft eine grössere Bedeutung als Gesagtes (wenn z.B. die Luft im wahrsten Sinne des Wortes zum schneiden ist). Demnach versuchen wir gerne so zu tun, als wäre nichts. Doch alles weist auf vorhandene Unterschiede hin, die angeschaut und fruchtbar gemacht werden wollen. Lösungen setzen meist auch emotionale Lernprozesse voraus, die nur möglich sind, wenn das Problem/ Thema von allen anerkannt wird. Wird dies anerkannt, können Schwerpunkte diagnostiziert und herausgearbeitet werden. Das Entwicklungs- und Wertequadrat nach F. Schulz von Thun ist beispielsweise eine Möglichkeit eine andere Perspektive zu gewinnen. So ist der Konflikt der Preis für Balance. Fehlt der Gegenspieler, fehlt die ausgleichende Balance!

Beispiel Gegensatzpaar (Spannungsfeld): )))

Ins Negative gekippte Extremformen führen zu typischen Vorwürfen von Seiten der jeweils anderen Person. Sogenannte Unwerte, entstanden als Resultat von entwertenden Übertreibungen im Sinne eines "Zuviel des Guten". Die Vorwürfe sind als Folge von Verzerrungen in der Wahrnehmung und Interpretation zu verstehen. Wenn Menschen sich in ihrer persönlichen Identität angegriffen fühlen, weil bedeutsame Werte in Frage gestellt wurden, entstehen Vorwürfe (vgl. Schulz von Thun). Im positiven Fall herrscht Balance (positives Spannungs- und Ergänzungsbeziehung).

In den Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten

Wer kennt es nicht. Manchmal muss man erst an seine Grenzen kommen und richtig sauer und wütend werden bzw. es rauslassen. Aber genau solche Situationen klären die Luft. Sie lassen uns Dinge sagen, die wir versucht haben zu unterdrücken, zu verdrängen. Solche Gewitter offenbaren meistens auf wunderbare Weise neue Möglichkeiten & Lösungen. Konflikte und Widersprüche sind eine Realität. Sich gegen sie aufzulehnen kann gleichgesetzt werden mit Nichtakzeptanz dieser Realität. Das Spannungsfeld zwischen Abwehr und Akzeptanz kennen wir alle. Lege ich meine gesamte Energie in meine Abwehr verstärke ich die Thematik, den Druck des Aushaltens und der (An-) Spannung. Wie bei einem Schnellkochtopf. Es braucht ein Ventil, um Druck abzulassen, ohne Schaden anzurichten bzw. das kanalisieren von enormen Kräften.

TABU ('s)

Wenn wir in Schwierigkeiten kommen oder sich Probleme und Veränderungen ankündigen heissen wir diese, in der Regel, nicht herzlich willkommen, wie Gäste, die wir eingeladen haben. Wir begegnen ihnen nicht mit einem: Hallo, so schön, dass du da bist. Komm doch rein, nimm Platz und setz dich zu mir. Ich habe schon so lange auf dich gewartet. Endlich bist du da.

Denn meist verbinden wir damit etwas Unangenehmes, unerwartetes, unplanbares, störendes, was uns aus unserer Komfortzone reisst, weshalb wir sehr viel Energie aufwenden, um es zu vermeiden oder dem zu entfliehen. Widerstand zeigen, Ignorieren, Verleugnen, Bagatellisieren, runterspielen, abwerten, ablenken sind nur einige Methoden. Aber was wäre, wenn wir alle Veränderungen, Schwierigkeiten, Probleme, Konflikte und herausfordernden Themen/ Widersprüche bewusst annehmen? (Meistens fällt ein grosses Stück Last ab.)

Was, wenn wir anfangen Widersprüche, Konflikte und Probleme grundsätzlich positiv zu bewerten und als Möglichkeit & Geschenk (Option für die Erweiterung des Handlungsspielraumes, verändern vom Festgelegtem, was sich wie ein Konflikt anfühlen kann etc.) betrachten lernen? Auch wenn wir sowas (Themen, Schwierigkeiten, Probleme usw.) im ersten Moment nicht als Geschenk haben wollen und auch keinen Schatz darin erkennen können? Erlaube es zu erkennen, anzuschauen, zu heilen!